Bausparvertrag kündigen: Überstürzte Entscheidung oder sinnvoller Schritt?

Warum kündigen? Gründe für die Beendigung des Bausparvertrages
Bevor man sich für die Kündigung entscheidet, sollte man sich vorab noch einmal die Vorteile vor Augen führen: Ein Bausparvertrag kann überaus praktisch und sinnvoll sein, wenn man langfristig Eigenkapital aufbauen möchte, auf Planungssicherheit bedacht ist oder wenn der Vertrag zu sehr guten Zinskonditionen abgeschlossen wurde. Gleichwohl gibt es allerdings auch verschiedene Gründe, die tatsächlich für eine Beendigung sprechen können:Kein Finanzierungsbedarf mehr
Viele schließen einen Bausparvertrag ab, um später ein Haus zu finanzieren oder eine Immobilie zu modernisieren. Doch Pläne ändern sich:
- Immobilienkauf wurde bereits anderweitig finanziert (zum Beispiel durch Eigenkapital oder einen klassischen Hauskauf-Kredit).
- Lebenssituation hat sich geändert (kein Wunsch mehr nach Wohneigentum, Umzug ins Ausland etc.).
- Der Bausparvertrag wurde für eine geplante Renovierung abgeschlossen, die nun nicht mehr notwendig ist.
Bessere Alternativen am Markt verfügbar
Viele Bausparverträge werben mit attraktiven Guthabenzinsen, doch diese liegen oft deutlich unter dem aktuellen Marktniveau. Andere Anlageformen bieten z.T. mehr Flexibilität und Rendite:
- Tagesgeldkonten mit höheren Zinsen und sofortiger Verfügbarkeit.
- Festgeld mit garantierten Zinsen für eine bestimmte Laufzeit.
- ETFs oder Aktien für langfristige Anleger mit höherem Risiko, aber auch höheren Renditechancen.
- Pensionsvorsorge oder Riester-Rente, falls der Fokus auf der Altersvorsorge liegt.
Zu hohe Gebühren oder unflexible Bedingungen
Manche Bausparverträge haben versteckte Kosten oder sehr strenge Regeln:
- Hohe Abschlussgebühren (oft 1 bis 2 Prozent der Bausparsumme).
- Laufende Verwaltungskosten, die die Rendite zum Teil deutlich schmälern.
- Eingeschränkte Möglichkeit, die Sparrate flexibel anzupassen (zum Beispiel bei finanziellen Engpässen).
- Lange Wartezeiten bis zur Zuteilung, obwohl das Geld dringend benötigt wird.
Geringe Verzinsung im Vergleich zur Inflation
- Falls die Guthabenzinsen unter der Inflationsrate liegen, verliert das Ersparte real an Wert.
- In solchen Fällen kann eine Umschichtung in inflationsgeschützte Anlagen sinnvoller sein.
Kündigungsfristen und Vertragsbedingungen prüfen
Vor der Kündigung sollte man den Vertrag auf jeden Fall genau studieren:- Mindestspardauer: Viele Bausparverträge verlangen eine bestimmte Laufzeit (häufig sieben Jahre), bevor eine Kündigung ohne Probleme möglich ist.
- Kündigungsfrist: Oft beträgt diese 3 oder 6 Monate. Eine vorzeitige Beendigung kann jedoch Strafzinsen nach sich ziehen, sofern noch keine Zuteilungsreife erreicht ist.
- Sonderregelungen: Manche Tarife erlauben eine vorzeitige Kündigung bei Jobverlust, im Todesfall oder Umzug.
Tipp: Fordern Sie bei Ihrer Bausparkasse die genauen Vertragsbedingungen an und prüfen Sie Ihren Originalvertrag.
Kosten und Verluste im Blick behalten
Eine Kündigung des Bausparvertrages kann teuer werden. Mögliche finanzielle Nachteile sind:- Verlust der Abschlussgebühr: Diese wird meist nicht erstattet.
- Kündigungskosten: Einige Anbieter verlangen eine gewisse Gebühr bei vorzeitiger Kündigung.
- Entgangene Bonuszinsen: Bei langfristigen Verträgen gibt es oft Treueprämien, die bei Kündigung wegfallen.
- Förderungsverluste: Falls staatliche Förderungen wie Wohnungsbauprämie oder Arbeitnehmersparzulage beansprucht wurden, müssen diese in der Regel zurückgezahlt werden, wenn der Vertrag vor Ablauf der siebenjährigen Bindungsfrist gekündigt wird und das angesparte Guthaben nicht wohnwirtschaftlich verwendet wird. Ein Nachweis über die zweckgebundene Verwendung ist hierfür erforderlich.
- Steuern: Kapitalerträge unterliegen der Abgeltungssteuer, sofern der Sparer-Pauschbetrag (Stand 2025: 1.000€ für Ledige und 2.000€ für Verheiratete) überschritten wird und kein (ausreichender) Freistellungsauftrag bei der Bausparkasse hinterlegt ist.
Man sollte also in jedem Fall nachrechnen, ob sich die Kündigung wirklich lohnt. Manchmal ist es besser, den Vertrag für einige Zeit ruhen oder später auszahlen zu lassen.
Ablauf der Kündigung: So geht’s richtig
Schritt 1: Schriftliche Kündigung einreichen- Die Kündigung muss formell und schriftlich erfolgen, per Einschreiben.
- Wer möchte, kann eine Vorlage nutzen und dort dann folgenden Angaben ergänzen:
- Vertragsnummer
- Name und Anschrift
- Gewünschtes Kündigungsdatum
- Kontoverbindung für die Rückerstattung
Schritt 2: Guthaben auszahlen lassen
- Nach der Kündigung überweist die Bausparkasse das Guthaben abzüglich eventueller Kosten.
- Die Bearbeitungsdauer beträgt meist 2 bis 6 Wochen.
- Falls eine Rückzahlung von Fördergeldern (beispielsweise Wohnungsbauprämie) fällig wird, erfolgt dies in der Regel separat.
- Wohnungsbauprämie oder Arbeitnehmersparzulage: Diese müssen bei Kündigung oft zurückgezahlt werden.
- Kapitalerträge unterliegen der Abgeltungssteuer (falls der Vertrag keine steuerliche Begünstigung hatte).
- Mündliche Kündigung ist nicht rechtsverbindlich.
- Falsche Kontodaten können zu Verzögerungen führen.
- Wer die Rückzahlung der Förderungen vergisst, muss mit saftigen Nachforderungen rechnen.
Alternativen zur Kündigung prüfen
Vertrag ruhen lassen- Viele Bausparkassen bieten eine Pausierung an, bei der keine weiteren Beiträge fließen müssen.
- Vorteil: Der Vertrag bleibt bestehen und kann später recht einfach wieder aktiviert werden.
- Nachteil: Es erfolgen keine Bonuszahlungen oder weiteren Einzahlungen. Oft bleibt aber eine geringe Grundverzinsung bestehen.
- Manche Anbieter erlauben eine Übertragung auf Familienmitglieder (zum Beispiel Kinder oder Ehepartner).
- Vorteil: Der Vertrag wird weiter genutzt, ohne dass Gebühren anfallen.
- Nachteil: Oft nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Bausparkasse möglich.
- Falls der Vertrag bereits zuteilungsreif ist, kann das Guthaben im Rahmen einer regulären Vertragsabwicklung ausgezahlt werden.
- Vorteil: Keine Strafgebühren, da reguläre Abwicklung.
- Nachteil: Kann einige Monate in Anspruch nehmen.
- Einige Bausparkassen bieten an, nur einen Teil des Guthabens zu entnehmen.
- Vorteil: Der Rest bleibt weiter angespart.
Fazit: Lohnt sich die Kündigung?
Ob man den Bausparvertrag kündigen sollte, hängt von den persönlichen Zielen und den bestehenden Vertragsbedingungen ab. Es gilt in jedem Fall die Kosten, Alternativen und steuerliche Folgen zu prüfen, bevor man eine Entscheidung trifft.Die Entscheidung, einen Bausparvertrag zu kündigen, hängt also von mehreren Faktoren ab:
Kündigung ist sinnvoll, wenn:
- Man das Geld dringend benötigt und keine besseren Alternativen hat.
- Die Kosten für eine Weiterführung höher sind als der Nutzen.
- Man keine Förderungen zurückzahlen muss.
- Der Vertrag noch attraktive Zinsen bietet.
- Eine Pausierung oder Übertragung grundsätzlich möglich ist.
- Die Rückabwicklungsgebühren höher sind als der finanzielle Vorteil.
Gerade weil jeder Bausparvertrag unterschiedliche Konditionen enthält und sich finanzielle Lebenssituationen stark unterscheiden können, lohnt sich eine individuelle Prüfung. Wer unsicher ist, sollte nicht vorschnell kündigen, sondern im Zweifel eine unabhängige Finanzberatung in Anspruch nehmen.
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