Baustoffe: Die verschiedenen Arten von Gips
Welche Arten von Gips
Grundsätzlich existieren zwei verschiedene Arten von Gips:
- Naturgips
- Industriell hergestellter Gips
Bei industriell hergestelltem Gips dominiert der sogenannte REA-Gips. Dieser kommt in Rauchgasentschwefelungsanlagen (REA) zustande. Dabei wird das Rauchgas, das von Raffinerie- oder Kohlekraftwerken produziert wird, mit einer Lösung aus Kalkstein in Verbindung gebracht.
Die Beliebtheit von REA-Gips hat mittlerweile dazu geführt, dass der Abbau von natürlichem Gipsstein in der jüngsten Vergangenheit stark abgenommen hat. Sie geht auf verschiedene Faktoren zurück:
- Die industrielle Herstellung von Gips schont natürliche Ressourcen
- Das Ergebnis weist dieselben Eigenschaften auf wie natürlicher Gips
- Es zeichnet sich im direkten Vergleich sogar durch eine größere Reinheit aus
Wozu wird Gips heute hauptsächlich genutzt
Gips ist heute an vielen Orten anzutreffen. Er wird zum Beispiel in folgenden Bereichen verwendet:
- In der Zahntechnik zur Herstellung von Modellen
- In der Medizin für Gipsverbände
- Im Trockenbau – zum Beispiel für Gipskartonwände
- In der Kunst für Skulpturen und Grundierungen
- In der Schule in Form von Tafelkreide oder Malkreide
Übrigens wird Gips in Form von Bauschutt in Leipzig mittlerweile recycelt und zurück an die Gipsindustrie geliefert, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Das spart Kosten für die Deponie und schont Naturgips-Vorkommen. Die Chancen, dass andere Bundesländer und Städte diesem Beispiel folgen, stehen nicht schlecht. Schließlich fallen gerade beim Abriss von Gebäuden große Mengen an Gips-Schutt an.
Was sollten Bauherren beachten?
Laut dem Bundesverband der Gipsindustrie e.V. existiert eine ganze Reihe an Mythen über Gips, die der Realität nicht standhalten. Dazu gehört, dass Gips empfindlich und nicht für Küche und Bad geeignet sei. Während sich diese beiden Annahmen gut widerlegen lassen, bringt Gips einige Eigenschaften mit, die bei der Verarbeitung berücksichtigt werden sollten.
Zu beachten ist, dass Gips zu einem gewissen Grad wasserlöslich ist. Während gelegentliches Spritzwasser, wie es in Badezimmern vorkommt, in diesem Zusammenhang keine große Rolle spielt, eignet sich Gips weniger gut für Außenbereiche. Hier kommt, wenn überhaupt, imprägnierter Gips zur Anwendung.
Zu den Vorteilen von Gips gehört dagegen, dass das Material einen hervorragenden Brandschutz aufweist. Das rührt daher, dass im Gips Wasser eingeschlossen ist. Dieses verdampft im Ernstfall und verhindert bis zu 15 Minuten lang eine Erwärmung des betreffenden Bauteils. Deshalb eignet sich Gips sehr gut als Brandschutzverkleidungen. Vorteilhaft ist auch sein geringes Gewicht. Gipsputze sind einfach zu verarbeiten und belastbar.
Viele Menschen betrachten Gips eher abfällig, vor allem künstlich hergestellten REA-Gips. Dabei bietet der Baustoff eine Reihe von Vorteilen, die sich auch im Wohnkomfort bemerkbar machen. So sorgt Gips für ein angenehmes Raumklima, indem er Feuchtigkeit aufnimmt und wieder abgibt. Er schützt vor Wärmeverlust, hat gute schalldämpfende Eigenschaften und ist robust. Auch punktet Gips nach einer entsprechenden Verarbeitung mit einer attraktiven Optik.
Es gibt also einige Situationen, in denen man Gips eine Chance geben sollte. Im Zweifelsfall stellt dabei der künstlich hergestellte die interessantere Option dar. Nur für Außenfassaden sollten Bauherren lieber zu einem anderen Material greifen.
05.10.2015
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