WOLF: Lüften für die Gesundheit
Weshalb müssen Wohnräume regelmäßig gelüftet werden?
Thomas Hartmann: Beim Lüften geht es um den Austausch von belasteter Raumluft durch frische Außenluft. Denn bei der Nutzung von Räumen können Schadstoffe, Feinstaub oder Keime freigesetzt werden, die aus dem Raum entfernt werden müssen. Eine schlechte Raumluftqualität kann zu Kopfschmerzen, Konzentrationsproblemen, schnellerer Ermüdung und körperlichen Beschwerden wie gereizter Haut führen. In vielen Fällen macht auch eine zu hohe Luftfeuchtigkeit den Menschen zu schaffen. Sie begünstigt Schimmel und Hausstaubmilben und kann Allergien verursachen sowie zu Bauschäden durch Feuchte führen.Wie lässt sich eine gute Luftqualität auch bei starker Belastung der Umgebung erreichen?
Thomas Hartmann: Befinden sich beispielsweise Feinstaub oder Pollen in der Außenluft, belastet das die Gesundheit der Menschen. Das Lüften über Fenster macht hier das Problem oft eher schlimmer, indem z.B. in der Nähe von vielbefahrenen Straßen schadstoffhaltige Luft ungehindert in die Innenräume gelangt. Wohnungslüftungsanlagen übernehmen den Luftaustausch automatisch und effizienter als die konventionelle Lüftung über geöffnete Fenster. Spezielle Filter in der Zuluftleitung verhindern, dass Schadstoffe ins Haus gelangen. Vor allem in dicht besiedelten Gebieten ist die klassische Fensterlüftung üblicherweise auch mit einer hohen Schallbelastung verbunden. Mit einer Wohnungslüftungsanlage kann das Fenster geschlossen bleiben – der Lärm bleibt draußen.Was für Vorteile bringt mir eine Wohnungslüftungsanlage?
Thomas Hartmann: Wohnungslüftungsanlagen arbeiten energieeffizient und können die Heizkosten durch Wärmerückgewinnung senken. Der gezielte Einsatz solcher Systeme kann sich damit positiv auf die gesamte Energieeffizienz des Wohnhauses auswirken. Außerdem wird bei der Lüftung auch die in der Luft gebundene Feuchtigkeit abgeleitet. Das verhindert die Schimmelbildung und damit verbundene Schäden an der Bausubstanz. Eine Wohnungslüftungsanlage bietet hohen Komfort auch bei niedrigen Außentemperaturen – ohne Zugerscheinungen und störende Geräusche.Welche Arten von Lüftungssystemen werden am häufigsten gewählt?
Thomas Hartmann: Dabei spielt der generelle Platzbedarf eine Rolle, besonders bei der Nachrüstung im Bestand. In neugebauten Einfamilienhäusern kommt häufig eine zentrale Zu-/Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung (WRG) zum Einsatz. Bei einer energetischen Sanierung im Bestand sind auch dezentrale Geräte für die raumweise Lüftung eine mögliche Alternative. In neugebauten Mehrfamilienhäusern werden am häufigsten gebäude- oder wohnungszentrale Lüftungssysteme eingesetzt. Der Einsatz von Wärmerückgewinnung ist in aller Regel empfehlenswert.Wie viel Energie wird eingespart im Vergleich zur Fensterlüftung?
Thomas Hartmann: Das ist abhängig vom Nutzer und seinem Lüftungsverhalten. Beim Einsatz einer Wohnungslüftungsanlage müssen die Fenster deutlich seltener, im normalen Betrieb eigentlich gar nicht mehr geöffnet werden. In modernen Gebäuden können mit Wohnungslüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung circa 20 bis 30 % Endenergie gegenüber der Fensterlüftung eingespart werden.Wie schätzen Sie den allgemeinen Wartungsaufwand von zentralen Wohnraumlüftungen ein?
Thomas Hartmann: Das A und O ist die Filterreinigung bzw. der regelmäßige Filteraustausch. Dies ist meist etwa halbjährlich erforderlich. In der Regel informieren hier alle modernen Geräte mithilfe einer Filterwechselanzeige. Zudem wird eine grundsätzliche Wartung durch einen Fachhandwerker alle zwei Jahre empfohlen.Im Rahmen der BEG-Förderung Einzelmaßnahmen in der Sanierung gibt es für die Wohnungslüftung bis zu 20 % Förderung vom Staat. Mit dem iSFP (individueller Sanierungsfahrplan) sind es sogar 25 %. Des Weiteren senkt die Wohnungslüftung den Primärenergiebedarf. Dies ermöglicht es, eine Effizienzhaus-Stufe zu erreichen und somit auch für systemische Maßnahmen in Neubau und Bestand Fördermittel der BEG zu erhalten.
16.12.2021
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