Käferholz als preiswerte Alternative im Hausbau

Seit die Holzpreise im Frühjahr ein Rekordhoch erreicht haben, machen sich Bauherren, die ihr Eigenheim aus dem zunehmend beliebteren ökologischen Baustoff Holz errichten wollen, Sorgen um die Bezahlbarkeit der eigenen vier Wände. Doch es gibt Entwarnung: „Auch wenn die Holzpreise derzeit noch etwa zweieinhalb Mal so hoch sind, wie vor einem Jahr, erhöhen sie die Gesamtkosten nur um etwa 5 bis 10 Prozent“ relativiert Bauexperte Sven Haustein von der Bausparkasse Schwäbisch Hall die aktuelle Diskussion.
Hohe Holzpreise? Wer trotzdem mit Holz bauen möchte, kann auf das billigere Käferholz zurückgreifen. Foto: Fullwood Wohnblockhaus
Hohe Holzpreise? Wer trotzdem mit Holz bauen möchte, kann auf das billigere Käferholz zurückgreifen. Foto: Fullwood Wohnblockhaus
Die Situation ist paradox: Zwar ist Schnittholz seit Ende 2020 ein extrem knappes Gut, nicht zuletzt deshalb, weil große Teile davon, etwa wegen des Baubooms in China und den USA, exportiert werden. Das bedeutet aber keineswegs, dass Holz insgesamt Mangelware ist. Im Gegenteil: Schwere Stürme, übermäßige Trockenheit, vor allem aber die flächendeckende Ausbreitung des Lebensraums des Borkenkäfers führen dazu, dass in betroffenen Waldbeständen kräftig geholzt und kranke Bäume gefällt werden müssen. Es gibt ein regelrechtes Überangebot an sogenanntem Käferholz. Nur wird dieses auch als Schad- oder Kalamitätsholz bezeichnete Material in der Baubranche pauschal als minderwertig angesehen und spielt in den Überlegungen privater Bauherren bislang keine Rolle. Ein Engpass ist zudem, dass nur wenige spezialisierte Unternehmen Kalamitätsholz fachgerecht aufbereiten können.

„Hinsichtlich der Eignung als Bauholz spielt Borkenkäferbefall in der Regel keine Rolle, da der Käfer seine Gänge nur zwischen Rinde und Stamm anlegt, nicht jedoch im Holzkörper selbst“, sagt Architekt Sven Haustein. Insofern könne insbesondere frisches Käferholz im Hinblick auf die Konstruktions- und Tragfähigkeit des Materials grundsätzlich die gleichen Qualitätskriterien erfüllen wie herkömmliches Schnittholz. 

Einen Nachteil hat der Borkenkäfer allerdings: Wo er sich eingenistet hat, folgt oft ein Pilzbefall, der zu leichten Verfärbungen des Holzes führen kann. Dieses Holz kann aber ohne Bedenken in nicht sichtbaren Bereichen verbaut werden. Bisher wird Käferholz hauptsächlich für kurzlebige Produkte wie Verpackungen verwendet. Dabei wäre es aus ökologischer Sicht viel nachhaltiger, dieses Holz in langlebigen Produkten zu verbauen – wie in Häusern.

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Tatsächlich gibt es bereits wenige kleine Unternehmen, die sich auf die Errichtung von Häusern aus bis zu 100 Prozent Käferholz spezialisiert haben. Klimabewusste Bauherren sollten sich eingehend beraten lassen und sich über die Marktentwicklung informieren. Aktuell kostet der Festmeter Bauholz (Fichte) zwischen 70 und 95 Euro, etwa doppelt so viel wie die gleiche Menge Käferholz. 

Gegen die aus seiner Sicht ungerechtfertigte Marginalisierung von Kalamitätsholz wird jetzt auch der Verband „Holzbau Deutschland“ aktiv. Er appelliert an Architekten, öffentliche und private Bauherren, regionales Schadholz stärker zu verwenden und will sogar in Ausschreibungen entsprechende Vorgaben festgeschrieben wissen. 

Architekt Haustein rät Bauinteressierten zur Geduld und ist überzeugt, „dass auch in Zukunft kein Bauherr in seinen eigenen vier Wänden auf den natürlichen Charme, das angenehme Wohnklima und die ausgezeichnete Ökobilanz des nachwachsenden Rohstoffs Holz wird verzichten müssen.“

Quelle: Bausparkasse Schwäbisch Hall AG

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