Deutsche zahlen weltweit den höchsten Strompreis

Deutsche Haushalte und Unternehmen müssen sich nach wie vor mit den höchsten Strompreisen weltweit arrangieren. Diese Position an der Spitze der internationalen Preisrangliste ist jedoch kein Zufall, sondern das Ergebnis einer spezifischen energiepolitischen Ausrichtung, die sich in den letzten zwei Jahrzehnten entwickelt hat. Aktuelle Auswertungen auf Basis internationaler Daten bestätigen diese Entwicklung und zeigen die gravierenden Preisunterschiede im globalen Kontext.
Analyse: Deutsche zahlen weltweit den höchsten Strompreis. Foto: pixabay.com
Analyse: Deutsche zahlen weltweit den höchsten Strompreis. Foto: pixabay.com

Die aktuelle Preisspitze im internationalen Vergleich

Laut der jüngsten Analyse des Vergleichsportals Verivox, die auf den Daten des Energiedienstes Global Petrol Prices für 135 Länder basiert, liegt der deutsche Strompreis für Privatverbraucher unverändert an der Weltspitze. Mit durchschnittlich 32,10 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) ist deutscher Strom satte 163 Prozent teurer als der internationale Durchschnitt von 12,22 ct/kWh.

Die Liste der Länder mit den höchsten Stromkosten wird von europäischen Nationen dominiert, was auf ähnliche energiepolitische Zielsetzungen hindeutet:
  1. Deutschland: 32,10 ct/kWh
  2. Dänemark: 27,81 ct/kWh
  3. Belgien: 26,60 ct/kWh
  4. Irland: 23,70 ct/kWh
  5. Portugal: 26,40 ct/kWh
Am anderen Ende des Spektrums stehen Länder, in denen Strom aufgrund reicher natürlicher Ressourcen, staatlicher Subventionen oder geringerer Besteuerung extrem günstig ist. Hier kostet die Kilowattstunde oft nur einen Bruchteil eines Cents:
  • Sudan: 0,24 ct/kWh
  • Äthiopien: 0,90 ct/kWh
  • Libyen: 1,24 ct/kWh
  • Kuwait: 2,59 ct/kWh
  • Iran: unter 2 ct/kWh

Vergleich mit anderen großen Industriestaaten

Besonders augenfällig wird der Preisunterschied im Vergleich mit anderen führenden Industrienationen. In den USA zahlen Verbraucher mit 13,03 ct/kWh weniger als die Hälfte des deutschen Preises. In Schwellenländern wie China (ca. 8 ct/kWh) oder Indien (ca. 6-8 ct/kWh) ist Strom sogar nochmals deutlich günstiger. Aber auch innerhalb Europas und der G20 zeigt sich: Deutschland ist ein extremer Ausreißer nach oben.

Kaufkraftbereinigt: Deutschland an der Spitze der G20

Selbst wenn man die unterschiedliche Wirtschaftskraft und Lebenshaltungskosten mittels Kaufkraftbereinigung berücksichtigt, bleibt Deutschland im G20-Vergleich weiterhin an der Spitze.

In diesem kaufkraftbereinigten Vergleich landet Deutschland auf Platz 16 von 135 untersuchten Ländern. Mit deutlichem Abstand folgen beispielsweise Italien und die Türkei. Diese Betrachtungsweise unterstreicht, dass die hohen Stromkosten für deutsche Verbraucher nicht einfach durch ein höheres Einkommensniveau relativiert werden.

Die Preistreiber: Steuern, Umlagen und Abgaben

Der Hauptgrund für die exorbitant hohen Preise liegt in der Zusammensetzung des Strompreises.

„Seit der Jahrtausendwende haben sich die Stromkosten hierzulande mehr als verdoppelt“, sagt Thorsten Storck, Energieexperte von Verivox. „Das liegt vor allem am hohen Anteil von Steuern, Umlagen und Abgaben, der mittlerweile mehr als 50 Prozent des Strompreises ausmacht.“

Zu den wesentlichen Kostentreibern zählen:
  • EEG-Umlage: Sie finanzierte den Ausbau der Erneuerbaren Energien und hatte sich seit ihrer Einführung mehr als verzehnfacht.
  • Wichtige Anmerkung: Die EEG-Umlage wurde zwar zum 1. Juli 2022 abgeschafft und durch Mittel aus dem Bundeshaushalt ersetzt, ihre historische Rolle als Preistreiber über fast zwei Jahrzehnte ist jedoch zentral für die Preisentwicklung.
  • Stromsteuer: Eine gesetzlich festgelegte Verbrauchssteuer.
  • Konzessionsabgabe: Eine Abgabe an Kommunen für die Mitbenutzung öffentlicher Wege.
  • Umsatzsteuer: Die normale Mehrwertsteuer, die auch auf den gesamten Strompreis inklusive aller anderen Abgaben erhoben wird – also eine „Steuer auf Steuern“.

Aktuelle Entwicklungen und zukünftige Trends

Die Abschaffung der EEG-Umlage im Jahre 2022 und verschiedene staatliche Entlastungspakete infolge der Energiekrise haben den Preisanstieg zeitweise gebremst, konnten die grundsätzlich hohe Preislast aber nicht beseitigen. Die stark gestiegenen Großhandelspreise für Gas und Strom infolge des Ukraine-Konfliktes haben die Situation zudem nachhaltig verändert. Während die Großhandelspreise zeitweise wieder gesunken sind, spiegelt sich dies nur verzögert in den Endkundenpreisen wider.

Langfristig wird der Strompreis weiter von mehreren Faktoren beeinflusst werden: den Kosten für den weiteren Netzausbau, den Investitionen in die Energiesicherheit (zum Beispiel weitere LNG-Terminals) und der Verschärfung des CO2-Preises im europäischen Emissionshandel. Die Hoffnung liegt darauf, dass die zunehmende Stromerzeugung aus günstigen erneuerbaren Quellen langfristig zu einer Senkung der Börsenstrompreise und damit auch der Endkundenpreise führen wird.

Noch ist nicht absehbar, ob und wann sich die Strompreise nachhaltig stabilisieren. Wer seine Ausgaben dennoch möglichst gering halten will, kann selbst aktiv werden: Umso wichtiger ist es für Verbraucher hierzulande, ihren Stromverbrauch im Blick zu behalten, effizient mit Energie umzugehen und regelmäßig einen Strompreisvergleich zu nutzen, um von günstigeren Tarifen zu profitieren. Mit wenigen Mitteln lässt sich auch im Eigenheim Strom sparen, schon kleine Anpassungen können im Alltag eine spürbare Wirkung haben.

Quelle: iz.sd.

25.10.2020

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