Strompreise stoppen den Zulauf beim Ökostrom

„Ökostromanbieter sehen sich nicht mehr mit einem regelrechten Ansturm konfrontiert, sondern mit einem Kundenzuwachs wie in der Zeit vor Fukushima.“
Gerade einmal neun Monate ist es her, als Fukushima von einer Reaktorkatastrophe heimgesucht wurde und die Energiebranche umdenken ließ. Seitdem fragten sich viele Menschen in der Bundesrepublik, wie sicher oder unsicher die deutschen Atomkraftwerke sind. Um einem solchen Drama zu entkommen, entschlossen sich viele Haushalte zu einem Wechsel. Stromtarife mit Atomstrom wurden gemieden und gegen Tarife mit regenerativen Energiequellen ausgetauscht.

Nach den Vergleichsportalen Toptarif und Verivox waren im März und April letzten Jahres 70-80 Prozent der Portalbesucher in erster Linie an Ökostrom interessiert. Wie Daniel Dodt allerdings erklärt, sei der Trend spürbar zurückgegangen. Nach dem starken Ökostromhype sind „nur“ noch 40 bis 50 Prozent der Besucher ohne Einschränkungen an der grünen Energie interessiert. Abgeschreckt werden die Kunden von den steigenden Strompreisen. Kosten werden daher wieder relevanter und verdrängen beim Blick auf die Geldbörse das ökologische Gewissen.

Auch der größte Ökostromanbieter in Deutschland erlebte diese Nachfrageänderungen. Das Unternehmen Lichtblick, welches in Hamburg seinen Unternehmenssitz hat, konnte in den zwei Monaten nach dem Reaktorunglück einen starken Kundenzuwachs verbuchen. Teilweise kamen pro Tag bis zu tausend neue Kunden hinzu. Auch hier hat sich der Ansturm mittlerweile gelegt.

Das Unternehmen Naturstrom aus Düsseldorf und die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) bestätigen diesen Zustand ebenfalls. Bei den EWS sank der monatliche Neukundenzuwachs von 4000 (während Fukushima) auf eine stabile Rate von 1500.

Insgesamt betrachtet war das Jahr 2011 allerdings ein gutes Jahr für den Ökostrom. Lichtblick verbuchte seit dem März 35000 neue Kunden, Naturstrom vergrößerte seine Kundschaft bei den Ökostromtarifen um ca. 100000 und bei den EWS haben sich seit Ende 2010 um die 28000 Stromabnehmer für einen Ökostromtarif entschieden.

Allerdings handelt es sich hierbei nur um eine sehr kleine Auswahl an Unternehmen. Nach den Aussagen der Bundesnetzagentur entschieden sich im Jahr 2010 bereits 3,7 Millionen private Haushalte für den grünen Strom. Insgesamt machte dies einen Marktanteil von 8,8 Prozent aus. Aktuelle Zahlen von Ende 2011 liegen leider noch nicht vor.

Quelle: e.r.

06.01.2012

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