Was ist ein Smart Home und wie geht das?
Ist die Sicherheit der Wohnungshülle smart geregelt, geht es ins Innere der Wohnung: In vielen Haushalten ist die smarte Technologie heute schon im Wohnzimmer angekommen. Lose herumliegende Lautsprecherkabel gehören dort der Vergangenheit an. Musik wird kabellos vom Speichergerät oder online zum Lautsprecher übertragen. Und zum Aufladen wird das Smart Phone einfach auf den Schreibtisch, ins Badezimmerregal oder auf den Tisch gelegt und über eine integrierte Ladestation ohne Kabelverbindung aufgeladen. Auch das Fernsehen kann mit Apps vom Smart Phone bedient werden. Produkte aus dem Bereich „Smart Entertainment“ hatten im vergangenen Jahr einen Umsatzanteil von rund 60 Prozent des Marktes aller smarten Produkte. Fernseher sind heute so flach wie ein Bilderrahmen. Viele Hersteller werben damit, dass man sich als Standbild immer neue digitale Leihgaben aus den Museen dieser Welt herunterladen und bewundern kann. Die gesamte Steuerung kann noch einfacher funktionieren, wenn Spracherkennungssysteme ins eigene Zuhause einziehen und selbstständig die Befehle umsetzen. So braucht man nicht einmal mehr sein Smart Phone, um beispielsweise das Licht anzusteuern, sondern gibt nur den mündlichen Befehl, der sodann ausgeführt wird. Sprachsysteme sind Befehlsempfänger, die alle mit ihnen verbundenen Geräte ansteuern können. Sie können in der Wohnung neben Licht auch Heizung und Lüftung steuern. Solche Assistenten sind äußerst lernbegierig und sammeln jede Information. Somit können sie nicht nur für einen vereinfachten Ablauf im Alltag der Hausbewohner sorgen, sondern speichern auch deren Vorlieben. Laut Prognosen werden diese Assistenten demnächst einfache Sprachbefehle auch an Dienstleister weiterleiten können, den Bewohnern systematische Empfehlungen geben oder bestimmte Wohnsituationen vorbereiten. Elf Prozent aller Umsätze im Smart Bereich wurden 2017 mit solchen Kommunikations- und Steuerungsgeräten erzielt.
Der Anteil am Umsatz an smarter Technologie bei mittelgroßen Elektrogeräten für Küche und Bad, wie Waschmaschine, Spülmaschine, Kühlschrank und Backofen, lag 2017 bei geringen fünf Prozent. Der Anteil an smarten kleinen Elektrogeräten im Küchenbereich, wie Kaffeemaschine, Mixer oder Küchenhelfer, lag bei sieben Prozent. Im Küchengerätebereich steckt also am meisten Potential und vielleicht auch Aufholbedarf. Auch bei diesen Geräten geht es nicht allein um einen Programmstart, eine Programmablaufkontrolle oder einen Funktionscheck von unterwegs. Es wird auch darum gehen, dass der Kühlschrank mit dem Küchenhelfer ein Rezept für einen erkälteten Menschen abspricht, weil die Heizung mitteilte, dass der Mensch friert. Sind die Lebensmittel dafür gerade nicht im Haus, bestellt der Kühlschrank eigenständig und die Kühl-Drohne des Händlers fliegt kurzfristig ein.
In kleinen Stadtwohnungen ist oft kaum Platz für Stauraum. So hat die Möbelindustrie beispielsweise Schränke mit ausgeklügeltem technischem Innenleben konstruiert. Die mechanischen Bewegungsabläufe von Klappbetten und -tischen, Oberschränken und Schrankecken werden dabei immer häufiger durch elektrische Motoren unterstützt und durch Apps gesteuert. Das eröffnet neue Raumkonzepte – vor allem für Micro-Apartments oder ehemalige Bürogebäude. Übrigens nicht nur für junge Menschen, sondern auch in Richtung Komfort-Wohnkonzept mit möglichst viel Barrierefreiheit für unsere immer älter werdende Gesellschaft gedacht. Auch bei Polstermöbeln rückt mit elektrisch steuerbaren und individuell anpassbaren Funktionseinstellungen das Thema Smart näher. Wie im modernen Auto lassen sich Memory-Funktionen anlegen und digital abrufen. Die gemütlichste Liegeposition im Sessel wird eingestellt und umgekehrt hilft der Sessel nach dem Nickerchen beim Aufstehen. Smart Home-Technologien eignen sich für jede Generation, sind aber für älter werdende Menschen, die länger im eigenen Zuhause bleiben wollen, besonders attraktiv. Dazu zählen Sensoren mit Sturz-Alarm unter dem Teppich, bewegungsabhängiges LED-Licht unter dem Bett oder im Kleiderschrank, Toilettenbrillen mit Reinigungsfunktion, bodentief eingebaute Duschen und fahrende Sessel. Auch Saugroboter erleben einen Aufstieg, denn sie entlasten von der lästigen Hausarbeit.
Knapp 70 Prozent aller Wohnungen in Deutschland haben einen Balkon oder eine Terrasse. Zum Eigenheim gehört außerdem oft ein Garten. Insofern ist der „Raum unter freiem Himmel“ für die meisten Menschen Bestandteil des Wohnens. Auch hier erobert sich die smarte Technologie ihre Bereiche: Ob Bewässerungs-App, vernetzte Außenbeleuchtung oder die digitale Steuerung des Rasenmähers: Smart Gardening hat Einzug in das grüne Wohnzimmer gehalten und wird in der Gartenbranche stark nachgefragt.
01.08.2018
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