Weltweit höchster Strompreis in Deutschland

Die Strompreise in Deutschland sind aktuell so hoch wie nie. Und auch im internationalen Vergleich zahlen Verbraucher hierzulande die höchsten Strompreise. Zu diesem Ergebnis kommt eine Preisanalyse von 145 Ländern, die das Vergleichsportal Verivox mit den Daten des Energiedienstes Global Petrol Prices durchgeführt hat.
Analyse: Weltweit höchster Strompreis in Deutschland. Foto: pixabay.com
Analyse: Weltweit höchster Strompreis in Deutschland. Foto: pixabay.com

Strompreise in Deutschland über 2,7 Mal teurer als im internationalen Durchschnitt

Die Preisdaten zeigen: Strom ist in Deutschland durchschnittlich 174 Prozent teurer als im Rest der Welt. 31,80 Cent pro Kilowattstunde müssen Verbraucher hierzulande aufbringen – im internationalen Durchschnitt sind es 11,62 Cent. Auf Platz zwei folgt unser Nachbarland Dänemark. Hier kostet die Kilowattstunde 29,38 Cent. Auf den weiteren Plätzen liegen Belgien (26,60 Cent), die Kaimaninseln (25,60 Cent), Kap Verde (24,72 Cent), Irland (24,20 Cent) und das Vereinigte Königreich (24,17 Cent). 

Im weltweiten Vergleich am günstigsten ist Strom aktuell in Venezuela. Aufgrund der andauernden hyperinflationären Entwicklung kostet eine Kilowattstunde hier umgerechnet 0,00036 Cent, gefolgt vom Sudan mit 0,24 Cent. In Libyen (0,38 Cent), Iran (0,46 Cent), Äthiopien (0,68 Cent) und Kirgisistan (0,84 Cent) liegen die Kosten ebenfalls unter einem Cent je Kilowattstunde.

Aber auch in anderen großen Industriestaaten ist Strom zum Teil erheblich günstiger als in Deutschland. So müssen private Verbraucher in den USA mit 12,69 Cent für eine Kilowattstunde nicht einmal die Hälfte dessen zahlen, was Verbraucher hierzulande schultern. In Saudi-Arabien, Russland, Mexiko, China, Indien, Argentinien, Indonesien, der Türkei, in Kanada und Südkorea werden weniger als 10 Cent pro Kilowattstunde Strom fällig. 

Kaufkraftbereinigte Strompreise: Deutschland teuerster G20-Staat

Unter Berücksichtigung der vergleichsweise hohen Kaufkraft liegen die Strompreise in Deutschland im weltweiten Vergleich auf Platz 15. In keinem anderen G20-Staat ist Strom teurer. Es folgen in der Gruppe der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer mit Abstand Italien und das Vereinigte Königreich.

Wie stark die Einbeziehung der Kaufkraft den Strompreis verändert, zeigt folgendes Beispiel: Beträgt der nominelle Preisunterschied zwischen Deutschland (Platz 1) und Dänemark (Platz 2) rund 8 Prozent, sind es kaufkraftbereinigt rund 28 Prozent. In anderen Ländern mit vergleichbarem Lebensstandard zeigt sich ein ähnliches Bild. Die Preisunterschiede wachsen kaufkraftbereinigt zum Teil deutlich – im Vergleich mit den USA beispielsweise um 43 Prozentpunkte, mit Schweden um 22 Prozentpunkte und mit Österreich um 3 Prozentpunkte.

In vielen Ländern mit hohem Lebensstandard ist Strom kaufkraftbereinigt zudem mindestens die Hälfte günstiger als hierzulande. Dazu gehören Kanada, Norwegen, USA, Schweiz, Finnland, Schweden und die Niederlande.

Im kaufkraftbereinigten Vergleich am teuersten ist Strom in Ruanda, gefolgt von Mali und Burkina Faso, am günstigsten in Libyen, Sudan und Äthiopien. 

Deutscher Strompreis auf neuem Allzeithoch

Verivox erhebt seit dem Jahr 2004 Strompreisdaten für Deutschland. Anders als Global Petrol Prices berücksichtigt der Verivox-Verbraucherpreisindex Strom neben den Grundversorgungspreisen auch die Preise der 30 wichtigsten überregionalen Versorger, gewichtet nach den Wechselquoten der Bundesnetzagentur. 

Nach Verivox-Berechnungen beläuft sich der Wert für Deutschland im Oktober 2021 auf 34,79 Cent/kWh. Damit markiert der Strompreis hierzulande den vierten Monat in Folge ein neues Allzeithoch. Innerhalb der letzten 12 Monaten hat sich Strom durchschnittlich um 20,9 Prozent verteuert. Einen so starken Anstieg konnten wir in unserer Zeitreihe bisher nicht beobachten.

Auch zum Jahreswechsel erwarten wir keine signifikante Entlastung bei den Strompreisen. Zwar sinkt die EEG-Umlage deutlich, doch auf der anderen Seite sorgen steigende Netzgebühren und hohe Beschaffungskosten für einen höheren Preisdruck: „Auch das Absinken der EEG-Umlage wird nichts daran ändern, dass Deutschland wohl auch im kommenden Jahr Strompreisweltmeister bleiben wird“, so Energieexperte Thorsten Storck von Verivox.

Quelle: Verivox GmbH

16.01.2022

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