Fliesen - Baulexikon Begriffsdefinition


Fliesen

Als Ausgangsmaterial werden natürliche Rohstoffe wie Ton, Kaolin, Quarz und Felsspat verwendet. Die Gemische werden gemahlen, gereinigt, mittels Preß- und Formtechnik in die entsprechenden Formate gebracht und anschließend bei Temperaturen bis zu 1.250 Grad Celsius gebrannt. Dabei gibt es zwei mögliche Brennverfahren - den Einmalbrand (Monocottura) oder den Zweimalbrand (Bicottura). Sie unterscheiden sich im Zeitpunkt des Glasierens: Beim Einmalbrand wird auf den Rohling die Glasur aufgetragen und in einem Arbeitsgang gebrannt. Beim Zweimalbrand wird die Glasur auf die bereits gebrannte Fliese aufgetragen und anschließend ein weiteres Mal gebrannt. Fliesen gibt es in allen Farben und vielen Formaten. In folgenden Bereichen können Fliesen eingesetzt werden: innen als Wand- und Bodenbeläge, außen als Balkon- und Terrassenbeläge, zur Weg- und Platzgestaltung, für Fassadenverkleidungen und Schwimmbäder. Es gibt eine Reihe von Materialprüfnormen, wonach die Produkte hinsichtlich ihrer physikalischen und chemischen Eigenschaften geprüft werden können. Schon seit 1985 gilt hier die Europanorm (EN). Für den Einsatz im Wohnbereich ist dabei der Oberflächenverschleiß (Abrieb) besonders wichtig. Je nach Intensität der Beanspruchung werden vier Gruppen unterschieden:
  • Beanspruchungsgruppe I bedeutet sehr geringe Beanspruchung für Bodenflächen, die nicht direkt mit Straßenschmutz in Berührung kommen und nur mit leichtem Schuhwerk begangen werden. Dazu zählen der Wohnbereich, die Küche und das Bad.

  • Beanspruchungsgruppe II heißt leichte Beanspruchung für Bodenflächen, die mit normalem Schuhwerk begangen werden. Dazu gehören der gesamte Wohnbereich, Flure, Terrassen und Balkone.

  • Beanspruchungsgruppe III bedeutet mittlere Beanspruchung für stärker frequentierte Räume im privaten, öffentlichen und gewerblichen Bereich.

  • Beanspruchungsgruppe IV heißt stärkere Beanspruchung für Bodenflächen, die im Wohnbereich ohne Einschränkung einsetzbar und für Terrassen und Balkone verwendbar sind.

Fliesen mit weißen oder roten, porösen Scherben heißen Steingutfliesen. Sie sind immer glasiert. Wegen ihrer hohen Wasseraufnahmefähigkeit werden sie nur als Wandfliesen für den Innenbereich hergestellt und dürfen deshalb auch nur dort eingesetzt werden. Für alle anderen Bereiche gibt es die Steinzeugfliesen. Sie können sowohl glasiert als auch unglasiert sein. Es gibt zwei Verlegearten für Fliesen: das Dünnbettverfahren mit Kleber, auch für Fliese-auf-Fliese bei der Renovierung geeignet und das Dickbettverfahren mit Mörtel. Für die Fugen wird in der Regel Zement- oder auch Kunstharzfugenmörtel verwendet.