Pellets liefern mit Knowhow und Gefühl

Es ist kurz vor 8 Uhr am Morgen, als der weiße Lkw in das ruhige Wohnviertel im Süden Berlins einbiegt und vor einem Wohnhaus anhält. Trotz des trüben Wetters ist Fahrer Marcel Sievert gut gelaunt. Auf der Rückseite des Fahrzeugs steht geschrieben, was der Lkw geladen hat: Holzpellets. „Um genau zu sein handelt es sich um ENplus-zertifizierte Pellets der Qualitätsklasse A1. Das sind die besten“, sagt Sievert. Der Mann in blauer Latzhose, grauem Sweatshirt und Arbeitsschuhen wird bereits von der Hausbesitzerin und ihrem schwarz-braunen Terrier erwartet. Es handelt sich um eine Stammkundin – sie heizt bereits seit 10 Jahren mit ENplus-Pellets und möchte auf die Qualität des zertifizierten Brennstoffs nicht mehr verzichten.
  • ENplus-Pellets: Qualitätskontrolle startet bei Sägespänen und läuft bis Handel/Lieferung.
  • Vor Befüllung: Heizung und Lager prüfen, Belüftung sicherstellen, Prallmatte muss intakt sein.
  • Schläuche regelmäßig checken: Innenbeschichtung sorgt für schonenden Transport der Pellets.
  • Einblaseinstellungen steuern Menge und Tempo; hoher Druck heißt oft mehr Menge, langsamer, weniger Schaden.
  • DEPI schult ENplus-Fahrer alle 3 Jahre; Proben werden aufbewahrt, Kundin erhält Beutel & Protokoll.
Nach dem Einblasen der Pellets schraubt Sie- vert die Lüftungsdeckel wieder auf die Stut- zen, die für eine gute Belüftung des Lagers sorgen. Foto: Deutsches Pelletinstitut
Nach dem Einblasen der Pellets schraubt Sie- vert die Lüftungsdeckel wieder auf die Stut- zen, die für eine gute Belüftung des Lagers sorgen. Foto: Deutsches Pelletinstitut

Gewusst wie: Auf den Druck kommt es an

Bei der Lieferung von ENplus-Pellets gibt es einiges zu beachten. Aber auch schon vorher: Die zertifizierten Presslinge müssen bereits bei ihrer Herstellung strenge Auflagen einhalten. Die Qualitätskontrolle beginnt beim Rohstoff, den Sägespänen, und wird über die gesamte Produktion und den Handel hinweg fortgesetzt. Damit die Pellets auf ihrem Weg ins Kundenlager nicht an Qualität einbüßen und später sicher und zuverlässig heizen, ist eine schonende Behandlung entscheidend.

Christian Sauer ist Fachreferent für Holzbrennstoffe beim Deutschen Pelletinstitut (DEPI), das die Zertifizierung des Holzbrennstoffs im Jahr 2010 in Zusam­menarbeit mit dem Deutschen Biomasseforschungszentrum Leipzig (DBFZ) und proPellets Austria entwickelt hat. Er ist dafür zuständig, Pelletfahrer in ganz Deutschland zu schulen. „Aus meiner Sicht sind die folgenden drei Punkte am wichtigsten, um die Pellets unbeschädigt und sicher ins Lager des Kunden zu befördern: Die Heizung und das Lager müssen vor dem Befüllen überprüft werden. Das betone ich in den Schulungen immer besonders. Der Fahrer muss unter anderem sicherstellen, dass das Lager belüftet und die Prallmatte in einwandfreiem Zustand ist“, erklärt er. Außerdem ist der Zustand der Schläuche entscheidend, durch die die Presslinge aus dem Fahrzeug ins Kundenlager gelangen: „Im Inneren der Schläuche befindet sich eine Beschichtung, die für einen schonenden Transport sorgt. Es ist Aufgabe des Fahrers, regelmäßig zu überprüfen, ob diese Beschichtung noch intakt ist“. Als dritten Punkt nennt Sauer die Einblaseinstellungen: „Kurz gefasst: Durch die Regulierung der Luft- und Druckeinstellungen steuert der Fahrer, wie viele Pellets wie schnell im Lager ankommen. Das ist tatsächlich nicht einfach, aber Fahrer von ENplus-zertifizierten Betrieben lernen bei der Schulung, wie das geht.“ Dabei kann er gleich mit einem Mythos aufräumen: „Viel Druck beim Einblasen ist nicht immer schädlich für die Pellets. Viele Kunden erschrecken sich, wenn sie sehen, mit wie viel Bar die Pellets eingeblasen werden. Ein hoher Druck bedeutet jedoch, dass eine große Menge Pellets auf einmal befördert wird. Somit bewegen sie sich langsamer durch den Schlauch und nehmen keinen Schaden.“

Schulungswissen wird zur Praxis

So wie alle ENplus-Fahrer, hat auch Marcel Sievert bereits an Fahrerschulungen des DEPI teilgenommen. Alle drei Jahre wird das Wissen zu Lagerbau, Arbeitssicherheit, Fahrzeugtechnik und vielen weiteren Themen rund um Holzpellets in einem Theorie- und einem Praxisteil aufgefrischt. Auch die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und das Thema Nachhaltigkeit kommen dabei nicht zu kurz.

Vor Ort weiß Sievert daher, was zu tun ist. Er begutachtet zunächst das Lager und den Pelletkessel. Der Kessel sollte während des Einblasens der Pellets ausgeschaltet sein. Die Heizung der Berliner Kundin ist an diesem warmen Tag aber ohnehin nicht in Betrieb. Das Lager ist gut belüftet, die Prallmatte ist intakt – es gibt also nichts zu beanstanden.

Dann lädt Sievert das Equipment aus. Dazu gehören ein Absauggebläse inklusive Staubsack, eine Kabeltrommel und zwei dicke orangene Schläuche. Am Spritzschutz des Hauses befinden sich zwei Stutzen, die ins Innere des Pelletlagers führen. Obwohl das Haus bereits in den 1930er Jahren gebaut wurde, sind die Bedingungen für eine Pelletlieferung optimal: Die Stutzen sind Richtung Straße ausgerichtet, sodass nur eine kurze Strecke mit den Schläuchen überwunden werden muss. Der Fahrer schraubt die Lüftungsdeckel mit einem Spezialwerkzeug auf und bringt die Schläuche an. Durch einen der beiden Zugänge werden die Pellets über den Schlauch ins Lager eingeblasen, durch den anderen der Staub abgesaugt.

Sievert ermittelt die benötigte Menge an Pellets: „Man schätzt die Restmenge im Lager und berechnet danach das Volumen“. Er stellt den richtigen Luftdruck am Display ein und startet den Einblasvorgang. Dann fängt es an zu summen und zu brummen. Etwa vier Tonnen Pellets werden auf diesem Weg in das Lager gebracht. „Man muss danebenstehen und es sich anschauen. Man entwickelt als Fahrer ein Gefühl dafür, wann das Lager voll ist“, erklärt Sievert. Die Kundin bringt ihm eine Tasse Kaffee nach draußen, um die kurze Wartezeit zu überbrücken. Schließlich beendet der Fahrer den Einblasvorgang per Knopfdruck. Er löst die Schläuche von den Stutzen und lädt sie wieder ins Fahrzeug ein.

Um sicherzustellen, dass die Ware im Schadensfall auf Mängel untersucht werden kann, werden Proben der gelieferten ENplus-Pellets aufbewahrt. Ein Beutel Pellets bleibt im Betrieb, einen weiteren erhält die Kundin als besonderen Service. Zum Schluss unterschreibt sie das Lieferprotokoll. Sievert steigt wieder in seinen Lkw und fährt los. Er hat noch weitere Kunden, die auf ihn warten.

Quelle: Deutsches Pelletinstitut GmbH (DEPI)

08.06.2026

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