Photovoltaik wächst – Solarbranche warnt vor politischer Ausbaubremse
- Nach verhaltenem Start zieht die Nachfrage nach Dach-Solaranlagen zuletzt deutlich an.
- H1/2026: 7,4 GWp neu (+9% ggü. 6,8 GWp); Ausbau noch auf Kurs, aber zu langsam bis 2030.
- BSW: Vorzieheffekte durch geplantes Ende der EEG-Förderung ab 2027 und Wunsch nach Energieunabhängigkeit.
- Branche warnt: Reformen wie Direktvermarktungspflicht & Wegfall von Entschädigungen bremsen Ausbau und Jobs.
- Stand: >6 Mio. PV-Anlagen (125 GW) + 2,7 Mio. Speicher decken ~20%; Ziel 215 GW bis 2030.

Nach einer Auswertung des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur wurden im ersten Halbjahr 2026 rund neun Prozent mehr Photovoltaik-Leistung neu installiert als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Wurden für das erste Halbjahr 2026 rund 7,4 Gigawattpeak (GWp) an neuer Solarstromleistung installiert, so waren es im Vorjahreszeitraum zum gleichen Stichtag rund 6,8 GWp.
Damit bleibt der Ausbau derzeit noch auf Kurs. Nach Einschätzung des BSW-Solar reicht das aktuelle Tempo jedoch nicht aus, um die gesetzlichen Ausbauziele bis 2030 dauerhaft zu erreichen. Dafür müsse der Zubau in allen Marktsegmenten weiter steigen.
„Derzeit befinden wir uns zwar noch auf dem gesetzlichen Ausbaupfad. Das ist jedoch vor allem Sondereffekten zu verdanken. Die kommenden Jahre sind kein Selbstläufer“, sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar. „Durch mehr E-Autos, Wärmepumpen, Rechenzentren und Klimaanlagen wird der Strombedarf wachsen. Deshalb darf der Ausbau von Solaranlagen auf Dächern, Fassaden und Freiflächen jetzt nicht ausgebremst werden.“
Der Verband warnt zugleich vor den geplanten Änderungen im Rahmen der EEG-Reform und des sogenannten Netzpakets. Insbesondere die vorgesehene Streichung der EEG-Förderung für neue Anlagen, eine Direktvermarktungspflicht für kleinere Gebäude-Solaranlagen sowie der Wegfall von Entschädigungen bei netzbedingten Einspeisebeschränkungen würden nach Einschätzung von Wissenschaft und Branche den Solarausbau deutlich verlangsamen und Investitionen erschweren. Davon wären auch zehntausende Arbeitsplätze entlang der Wertschöpfungskette betroffen.
„An einem stärkeren Ausbau von Photovoltaik und Batteriespeichern führt klima-, energie- und wirtschaftspolitisch kein Weg vorbei“, betont Körnig. „Statt Investoren und Verbraucher mit unausgereiften Reformvorschlägen zu verunsichern, braucht Deutschland verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit.“
Derzeit sind in Deutschland mehr als sechs Millionen Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von über 125 Gigawatt installiert. Zusammen mit rund 2,7 Millionen stationären Batteriespeichern decken sie inzwischen etwa ein Fünftel des deutschen Stromverbrauchs. Nach den gesetzlichen Ausbauzielen soll die installierte Solarstromleistung bis 2030 auf 215 Gigawatt steigen.
Dass ein beschleunigter Ausbau von Photovoltaik und Batteriespeichern erhebliche volkswirtschaftliche Vorteile bringt, zeigt zudem eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass durch den verstärkten Einsatz von Batteriespeichern Milliardenkosten für Verbraucher, Wirtschaft und öffentliche Haushalte vermieden werden können.
22.07.2026
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